Springen und schwimmen

Themen:

Wunsch nach beruflicher Selbstständigkeit, Starkes Sicherheitsdenken, Versagensängste, Es-Allen-Recht-Machen-Wollen

Alter Patient/in:

20 - 25 Jahre

Angewandte Methode:

Supervision

Die Klientin, von der ich Ihnen nun berichten werde, kenne ich bereits seit längerem, denn sie war schon vor einigen Jahren bei mir Patientin in der Craniosacral Therapie gewesen. Dann wurde diese junge, fröhliche Frau in einen Autounfall verwickelt, der sie völlig aus der Bahn warf.  Zum Glück kam sie damit sofort in die Craniosacral Therapie, was jedoch eine andere Geschichte ist. Nebst den körperlichen Schmerzen und dem Schock hat dieser Aufprall aber auch einiges in Bewegung gebracht, was schlussendlich positiv war und zur Fragestellung führte, die wir dann in der Supervision behandelten.

 

Meine Klientin hatte einen Beruf gelernt, der sich von Natur aus wunderbar zum Aufbau einer selbstständigen Erwerbstätigkeit eignet. Aber sie traute sich nicht so recht. In ihr saß eine tiefe Angst, nicht zu genügen, in der Selbstständigkeit zu versagen, finanziell zu scheitern. Unmittelbar von ihrem Autounfall hatte sie sich jedoch trotzdem zur Untermiete einen kleinen Raum eingerichtet, wo sie wenigstens in Teilzeit selbstständig arbeiten konnte. Dann ereignete sich der Unfall und sie wurde für ein halbes Jahr zu hundert Prozent krankgeschrieben. Der Prozess des Selbständig-Werdens stockte, nicht nur in der Tat, sondern auch im Mut. Als sie wieder anfangen durfte, einige Stunden pro Woche zu arbeiten, tat sie das trotz der Zweifel in ihrem eigenen Raum, und sie bemerkte mit einigem Erstaunen, dass sie sehr schnell neue Kunden gewann und Erfolg hatte. Bei einem Besuch in ihrem alten Geschäft, den sie machen musste, um einige Formalitäten zu regeln, fiel ihr aber auch erstmals richtig auf, wie unglücklich sie bei dieser Arbeitsstelle eigentlich immer gewesen war. Sie arbeitete dort im Stundenlohn und da sie eine ganz liebe Person ist, die schwer nein sagen kann, wurde ihre Gutmütigkeit auch redlich ausgenutzt. Doch trotz ihres sofortigen Erfolges in der Selbstständigkeit traute sie sich nicht zu kündigen und den Sprung ins kalte Wasser zu wagen. Noch bevor sie die Menge ihrer Arbeitsstunden aufstocken durfte und es klar war, dass sie zum alten Geschäft vorerst zurückkehren würde, verabredeten wir uns zur ersten Supervision.

 

Der erste Wunsch meiner Klientin war es, den entspannten inneren Zustand beibehalten zu können, den sie in ihrer Abwesenheit von dieser Arbeitsstelle wiedererlangt hatte. Dazu schauten wir uns an, was für Bedingungen sie bei der Arbeit  braucht um sich wohl zu fühlen und auch, was es denn für Mechanismen im zwischenmenschlichen Bereich waren, die ihr im Geschäft den Seelenfrieden raubten. Alleine schon dieses Reflektieren und Benennen  von außen bewirkte in ihr ein Aha-Erlebnis, demzufolge sie erkennen konnte, wo sie sich mit einer Haltungsänderung, z.B. der Chefin gegenüber, besser abgrenzen könnte. Und da sie die neuen Reaktions- bzw. Aktionsmuster, die wir zusammen erarbeiteten und übten, auch gleich nach einer langen Abwesenheit frisch einsetzten konnte, klappte das entsprechend wunderbar. Sie musste eigentlich nur einmal klar ihre Grenzen markieren und wurde danach nur noch selten mit Extrawünschen behelligt.

 

In den nächsten Sitzungen schauten wir uns an, was es noch braucht, damit sie ihr Ziel erreichen kann, die vollständige berufliche Selbstständigkeit zu erlangen. Durch ihre neu erlangte Selbstsicherheit im Angestelltenverhältnis Vorgesetzten und schwierigen KolegInnen gegenüber, erkannte sie immer deutlicher, dass sie einfach nicht länger hinzunehmen bereit war, in anstrengenden Konstellationen zu arbeiten und dabei noch lausig zu verdienen. Diese klare Entscheidung war ein sehr wesentlicher Schritt in Richtung Ziel. Sie entdeckte auch immer klarer, dass ihr Pflichtbewusstsein dem alten Geschäft gegenüber nur ihre eigene Geschichte war. Sie beruhte überhaupt nicht auf Gegenseitigkeit, dafür umso mehr auf die Manipulation ihrer Loyalität, natürlich zugunsten des Geschäftes. Sobald sie dies in voller Bandbreite erkannt hatte, war es für sie viel einfacher, sich innerlich total zu distanzieren und die Kündigungsphase einzuleiten. Dieser Prozess dauerte insgesamt drei Monate. Zusammen mit der Kündigungszeit hatte sie somit auch genug Zeit, ihre finanziellen Reserven wieder so weit aufzustocken, dass sie auch diesbezüglich den Sprung in die Selbstständigkeit wagen konnte, zumal sie mit ihrem eigenen Business kontinuierlich immer erfolgreicher wurde und sie lernte, diesem Prozess zu vertrauen. Außerdem schauten wir auch konkrete Maßnahmen an, die man ergreifen kann, um mehr Klienten zu generieren. Auch das gab ihr Sicherheit und das Umsetzen dieser Schritte bewirkte nicht zuletzt einen inneren Paradigmenwechsel von „Ich bin angestellt“ zu „Ich bin jetzt selbstständig Erwerbend“.

 

Insgesamt nahm meine Klientin fünf Supervisionssitzungen innerhalb von vier Monaten in Anspruch. Zum Schluss dieses Prozesses hatte diese tolle junge Frau ein ganz anderes Bild von sich selber und auch davon, wo sie ihre Prioritäten im Leben zukünftig setzten wollte.

Hinzugefügt am:

24. November 2018

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